Unsere Tracht

 

"Als Tracht wird die Kleidung der ländlichen Bevölkerung bezeichnet, deren Verbreitung regional, zeitlich und konfessionell begrenzt ist. Sie wechselt in den ihr vorgeschriebenen Grenzen nach Anlass und Trauerstufe und spiegelt den sozialen Status wieder"

(Definition aus den Richtlinien zur Anerkennung einer Tracht des LTN).

 

Diese Definition der Tracht erklärt in kurzer Form ihre Wesenszüge und grenzt die Kleidungsform von der bürgerlichen Kleidung und den Berufstrachten ab, die regional und konfessionell nicht oder nur wenig gebunden sind.

 

Die Tracht ist Ausdruck einer meist dörflichen Gemeinschaft und eines gemeinsamen Lebens in dieser Ordnung. Im Mittelpunkt steht nicht die Trägerin oder der Träger, sondern die Kleidung dient zur Präsentation von Besitz und Wohlstand. Je mehr Stoff in der Tracht Verwendung fand, je mehr Knöpfe auf den Westen saßen, desto reicher war der Träger oder die Trägerin der Tracht. In manchen Regionen wurden daher die Westenknöpfe so eng nebeneinander gesetzt, dass sie kaum Platz hatten; die Röcke so tief in Falten gelegt, dass sie eine nahezu unzumutbare Schwere erreichten. Die Ausprägung der Tracht hatte natürlich finanzielle Grenzen, die die soziale Schichtung der Bevölkerung deutlich machte. Es war ein ungeschriebenes Gesetz, dass man die Grenzen der einzelnen dörflichen Gesellschaftsschichten nicht übertreten durfte, selbst wenn die finanzielle Basis gegeben war, sich eine aufwendige Tracht anzuschaffen.

 

Die Kleidung lieferte dem kundigen Betrachter eine Vielzahl von Informationen. Sie zeigte deutlich an:

      aus welcher Region die Tracht stammt

      aus welchem Dorf der Träger/die Trägerin stammt

      die augenblicklichen wirtschaftlichen Verhältnisse

      die soziale Stellung innerhalb der Dorfgemeinschaft

      den Personenstand (ledig, verheiratet, verwitwet, verwitwet und heiratswillig)

      die Trauerstufe (Voll-, Halb-, Vierteltrauer, Freudenzeit)

    • den Anlaß (Abendmahl, sonntäglicher Kirchgang, gewöhnlicher Sonntag, Hochzeit, Kommunion, Konfirmation, etc.)
  • Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, dass es sich bei der Tracht um ein recht kompliziertes Thema handelt. Die Verwirrung wird sich nicht aufklären, wenn man bedenkt, dass die Tracht keine Uniform mit unverrückbaren Strukturen war. Sie folgte ihren eigenen Modegesetzen. Es gab also zu jeder Zeit ,,unfine" Trachtenstücke, die man nicht mehr tragen konnte, ohne in den Ruf einer finanziellen Schwäche zu kommen.

 

Aus heutiger Sicht erscheinen diese modischen Vorlieben oftmals sehr uneinsichtig, denn es war kein Einzelfall, dass man in der modischen Fortentwicklung der Tracht billigen, weniger wertvollen Materialien den Vorzug gab, die kostbaren alten Stücke als untragbar in den Schrank legte oder an Personen verkaufte, denen es aufgrund ihrer sozialen Stellung recht gelegen kam, auf diese Weis ein den Besitz z. B. einer Kappe oder Mütze einer reichen Bäuerin zu kommen.

 

Diese Modeströmungen wurden z. T. auch von der Industrie beeinflusst, die beispielsweise manche Stoffe oder Bänder nicht mehr herstellte und einen Ersatz dafür anbot. In Niedersachsen ist das tägliche Trachtentragen heute fast ausgestorben. Es gibt nur noch Reste im Landkreis Schaumburg.

 

Dort trifft man noch eine durchgängige Trachtentradition an, auch wenn sich die im Aussterben begriffene Tracht in ihrem Endstadium gegenüber ihrer Ursprungsform eher bescheiden ausnimmt.

Die meisten Trachten sind Ende des vorigen Jahrhunderts aus dem dörflichen Erscheinungsbild verschwunden. Bei der Neuanschaffung von Trachten sollten die oben genannten Punkte berücksichtigt werden. Der LTN unterstützt die Erforschung, Rekonstruktion und Anschaffung einer Tracht mit Rat und Tat durch den Trachtenkundeausschuss

 

Quelle : Website LTN

 

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